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Wenn Kapf und Kummen zu Symbolen werden

G. Nuderscher – Aquarelle 1919 – 1994: Ausstellung im KOM, Altach, vom 17. Juni bis 17 Juli - Begleitprogramm mit alter und neuer Musik, Nachdenken und Wandern auf den Spuren des bedeutenden Altacher Laienmalers
Wenn Kapf und Kummen zu Symbolen werden

Etwa tausend Mal ist Gottlieb Nuderscher senior (1904 – 1995) mit dem Aquarellblock auf den Knien vor dem geologischen Bruch gesessen, zu dem Emser Schlossberg, Kapf und Kugel gehören. Als Bäckergeselle in den Zwanziger-Jahren, in Begleitung von Frau und Kindern nach dem Krieg, und als Pensionist, in dessen autodidaktische Kunst sich Routine mischte. Auch im Angesicht der Drei Schwestern, des Rätikons oder der Schweizer Berge und anderer Landschaftsformationen des Vorarlberger Lebensraums klappte er sein Stüahle auseinander, ebenso wie vor Bäumen im Ried, zu jeder Jahreszeit, selbst bei Nebel oder klirrender Kälte im Schnee. Als er krankheitshalber nicht mehr in das „Freiluft-Theater“ konnte, in dem Wolken Hauptrollen spielen, malte er den Blumenstrauß auf dem Stubentisch – geradezu besessen, manchmal offenbar mehrmals am Tag. Genau weiß man es nicht; kaum eines der über 4000 Aquarelle des Laienmalers trägt ein Datum. Auch als Parkinson-Kranker hat er gemalt.

Sicher ist: Ohne die Mithilfe der Großfamilie wäre das Werk des „unteren Bäcks“ von Altach nicht zustande gekommen, bei allem Fleiß und aller Leidenschaft für die Kunst.

Er selbst hat sich nur um das Malen, nie um Ausstellung oder Verkauf gekümmert, und die Familie, besonders die Tochter Annemarie Fenkart, Hohenems, ist es auch, die den Anstoß zu Willibald Feinigs Nuderscher-Monographie „Von Bergen und Bäumen, Blumen und Wolken“ gegeben und Ausstellungen möglich gemacht hat.

Im Juni 2016 kehrt Nuderscher in seinen Lebens- und Heimatort zurück. Die Gemeinde Altach veranstaltet eine Ausstellung im KOM (mit Ergänzung im Foyer des Pfarrzentrums). Andreas Rudigier, Direktor des vorarlberg museums, wird sie eröffnen, am Freitag, 17. Juni 2016. In der Ausstellungszeit (bis 17. Juli) finden – natürlich abgestimmt auf die Fußball-WM – fünf Begleitveranstaltungen statt.

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Konzert mit alter und neuer Musik inmitten von Aquarellen G. Nuderschers

Musik von Franz Schubert, der Nuderscher viel bedeutet hat, spielen Frederick Neyrink (Piano) und Nikolaus Feinig (Kontrabass) am Sonntag, 19. Juni, um 19 Uhr 30 in der Aula der Volksschule Altach, dazu Walzer von Debiasi, Stücke von Werner Pirchner (dem Komponisten der Ö1-Signations) und für den Anlass komponierte eigene Musik - umgeben von Bildern Nuderschers.

 

Spuren nachgehen

Harald Walser, Nationalrat, Historiker und Herausgeber von „Altach in Geschichte und Gegenwart“, führt eine Radtour am 25.6. Nachmittag an, bei der die Vergangenheit in Altach und um Altach herum zu Wort kommt - anhand von Aquarellen.

Voraussichtlich am 5. Juli gibt es eine Führung mit einem Botaniker der inatura zur Auswahl aus den Blumensträußen (im Foyer des Pfarrzentrums), die Gottlieb Nuderscher im Alter daheim gemalt hat: Welche Blumen sind da zu sehen? Wie kamen diese Pflanzen in die bürgerlichen Gärten und Vasen?

Am 29. 6. lädt Bernd Brändle zur letzten seiner Wanderungen im Frühjahr ein. Sie führt ins Meininger Ried, wo Nuderscher oft gemalt hat. Vielfältige Perspektiven erschließen die Größe der Rheintallandschaft; der Autodidakt aus Altach ist so etwas wie ihr Prophet geworden.

 

Ein Lebenswerk, das Fragen stellt

Die Wertschätzung und Übung eigenständig und eigenwillig entwickelter Kunst nach kaum überstandenen Notzeiten, der Drang in die freie Natur, lebenslange Auseinandersetzung mit dem Gleichen und Naheliegenden, Gewohnten und Selbstverständlichen - Wolken, Pflanzen, Berg und Tal….: Das Werk des Laienmalers ist „wie ein Fragezeichen am Rand der Kunstgeschichte der Region“ (Willibald Feinig) und stellt viele Fragen. Der Autor der Nuderscher-Monographie (Bucher Verlag, 2015) und Kurator der Ausstellung geht ihnen am 1. 7. 2016 nach. Titel des Abends: „Wie Heimat wird“.

 

Bei der Finissage am 17.7. übergibt Annemarie Fenkart im Namen der Familie eine Auswahl von Blättern ihres Vaters G. Nuderscher an Bürgermeister Gottfried Brändle - für die Kunstsammlung der Gemeinde.

 

Die Ausstellung G. Nuderscher Aquarelle 1919 – 1994 im KOM wird jeweils am Samstag von 17 bis 20 und am Sonntag von 11 bis 13 und 14 bis 20 h (und auf Anfrage) geöffnet sein. Das Nuderscher-Buch und auch Aquarelle können gekauft werden. Ein ausführlicher Prospekt folgt im Mai.

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